Othmarsingen, unser Dorf

Othmarsingen - Unser Dorf


Wer mit dem Auto über den A1-Viadukt flitzt oder mit dem Zug über den Bahndamm saust hat das Bünztaldorf Othmarsingen vor Augen. Der visuelle Augenblick erspäht vielleicht ein Gebäude, das wie ein Schloss über dem Dorf thront. Es ist das 1912 erbaute Schulhaus, das der Auswanderer Hermann Marti seinem Heimatort schenkte. Othmarsingen liegt in einer Talmulde an der 1936 korrigierten Bünz. Gegen Westen grüsst das Schloss Lenzburg, im Norden blickt Schloss Brunegg vom Kestenberg herab, den Blick auf Schloss Wildegg verriegelt die Verkehrsachse Ost-West durchs schweizerische Mittelland. Gegen Süden ist das Tal geöffnet. Der Blick geht in die Weite des Freiamtes mit der grandiosen Föhnkulisse der Alpenkette.

Im vorletzten Jahrhundert gelangte Othmarsingen durch die Strohindustrie und Baumwollmanufakturen zu einer gewissen Blüte; doch Anfang des letzten Jahrhunderts schlossen diese Betriebe wieder ihre Tore. Als 1877 mit dem Ausbau der Nationalbahn der erste Bahnhof in Othmarsingen entstand, war das ein Zeichen der Hoffnung. Doch bloss ein Jahr später musste die Bahngesellschaft Konkurs anmelden, und Othmarsingen hatte jahrzehntelang mit der Rückzahlung von Schulden zu kämpfen.

1903 wurde die Confiserie Disch gegründet. Mehr noch als der Name Disch selber ist ihr Markenzeichen, das „SportMint“, bekannt. Die Firma hat sich zu einem bedeutenden Unternehmen entwickelt und trägt heute den Namen Disch und damit Othmarsingen ins ganze Land. Überdies ist die Gemeinde auch für viele Wehrmänner ein Begriff: in Othmarsingen ist seit 1968 der Armeemotorfahrzeugpark der Schweizer Armee angesiedelt (heute Logistik- und Infrastrukturcenter der Armee). Weiter wichtige Arbeitgeber sind die Firma Centravo AG, verschiedene Dienstleistungsbetriebe im Bereich Hightech-Geräte bis hin zur holzverarbeitenden Industrie. Heute werden in der Gemeinde rund 800 Arbeitsplätze angeboten. Mit den gut ausgebauten Bus-, Bahn- und Autobahn-Anschlüssen ist Othmarsingen ein idealer Wohnort für Pendler, die in der Region Aarau oder im Grossraum Zürich ihrer Arbeit nachgehen.
 
Vom einstigen Bauerndorf sind gerade mal vier Höfe übrig geblieben. Die Landwirte bewirtschaften heute vor allem das Kulturland rund ums Dorf. Zum 900-Jahr-Jubiläum ist ein Kulturgüterinventar erstellt worden, das die Besonderheiten und Kulturgüter des Dorfes auflistet und beschreibt. Von B wie „erratische Block“ bis hin zu W wie „Waldweiher“. Sehenswert ist vor allem auch die 1675 erbaute Kirche mit dem geschnitzten Chorstuhl, den Glasmalereien und der reich verzierten Barock-Kanzel. Auch die alte Mühle, das Haus zum Rössli oder das Urechhaus sind einen Dorfrundgang wert. Alte, schöne Bauernhäuser säumen die Strassen, von denen eines besonders auffällt. Es trägt eine Gedenktafel mit der Inschrift: „I dem Hus isch d’ Dichteri Sophie Hämmerli-Marti am 19. Hornig 1868 uf d Wält cho, und gli het afo chime un blüe, was spöter i ihrem Wärch griffnet isch.“ Die Mundartdichterin hat mit ihren Kinderreimen und Mundarterzählungen kulturelles Gedankengut geschaffen und weitergegeben, das sich bis in die Gegenwart erhalten hat. – Nicht nur Marti, sondern auch Bossert, Widmer, Byland, Frey, Wirz, Schürch und Urech sind alteingesessene Othmarsinger Familiennamen.